Die Version 4.0 des Scaled Agile Frameworks stellt einen bedeutenden Meilenstein in der Entwicklung des Frameworks dar. Alle Änderungen der vorangegangenen Versionen sind in SAFe 4.0 (inklusive SAFe for Lean Systems Engineering) enthalten und Version 4.0 kombiniert diese in ein einzelnes, skalierbares und modulares Framework. Das Scaled Agile Framework bekommt nun auch einen neuen Namen: SAFe 4.0 for Lean Software and Systems Engineering. In diesem Artikel beleuchten wir die Änderungen am Framework im Detail.

Neuer Foundation-Layer und Value Stream-Ebene

SAFe 4.0 fußt auf folgende Grundpfeiler, neu sind Foundation und Value Stream:

  • Foundation: Richtlinien für die treibenden Kräfte hinter Lean-Agile, gemeinsame Praktiken, Grundwerte, das Lean-Agile Mindset, Prinzipien und Implementierung von SAFe.
  • Portfolio: Richtlinien für die Strategie-Findung und Kommunikation von Geschäftsbereichen, Organisation und Budgetierung von Value Streams, für das Management des Flows großer Initiativen, für die Führung des Unternehmens und für die Koordination multipler Werteströme.
  • Value Stream: Richtlinien für die Erschaffung der größten Hard- und Softwaresysteme der Welt: Die Value Stream-Ebene beinhaltet Solution Intent, Solution-Management, Entwicklung und Architektur, agile Kunden- und Lieferantenbeziehungen sowie die Koordination des Wertestroms.
  • Program: Beschreibung der agilen Release-Trains, Teams aus agilen Teams, welche Subsysteme und Lösungsbausteine herstellen. ARTs richten Teams an einer gemeinsamen Zielsetzung aus, geben Richtlinien für die Architektur und User Experience vor und geben eine objektive Bewertung für den Fortschritt und Stand einer Entwicklung.
  • Team: SAFe-Teams sind selbstorganisierte, selbstverwaltete und multifunktionale Einheiten. SAFe-Teams wenden Scrum, XP, Kanban oder einen hybriden Ansatz ihrer Wahl an. Sie liefern wertvolle, getestete und funktionierende Software in 14-tägigen Zeitfenstern.

Wie bereits im vorigen Artikel umrissen, hier die Änderungen im Schnelldurchlauf:

  • SAFe unterstützt nun Software- und Systementwicklung.
  • Eine neue Ebene (Value Stream Level) für die Entwicklung von noch größeren komplexen Systemen
  • Das Big Picture ist nun auf drei bzw. vier Ebenen ausklappbar. Standardeinstellung ist 3-Level-SAFe, eine leichtgewichtige Variante. Bei Bedarf lässt sich die vierte Ebene hinzunehmen.
  • Enterprise Kanban-Systeme verwalten den Arbeitsfluss über alle Ebenen hinweg.
  • Das SAFe-Requirements-Modell wurde aktualisiert, um zusätzliche Einträge im Backlog klarer abzubilden.
  • Die eingebundenen Praktiken rund um Qualitätssicherung bilden nun Software- und Systementwicklung ab.
  • Eine neue Grundlagen-Ebene (Foundations Layer) unterstützt die wichtigen Grundsätze für das erfolgreiche Anwenden des Frameworks und der Programme.
  • Eine Spanning Palette transportiert Rollen und Artefakte – soweit jeweils passend – über verschiedene Ebenen, was die Anpassbarkeit und Modularität des Frameworks verbessert.

Weiterhin stellen die Braintime SAFe-Seiten ausführliche Details zu Richtlinien und weitere Ressourcen zur Verfügung.

3-Level-SAFe und 4 Level-SAFe

Mit SAFe 4.0 gibt es eine optionale vierte Ebene mit neuen Rollen, Artefakten und Aktivitäten. Diese Ebene ist für die Entwicklung in sehr großen Werteströmen vorgesehen.

3-Level-SAFe 4-Level-SAFe
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Für kleine Wertströme mit 100 Beteiligten oder weniger. Beinhaltet Team-, Programm- und Portfolio-Ebene. Für größere Unterfangen mit hunderten Beteiligten oder mehr pro Wertestrom. Beinhaltet Team-, Programm-, Portfolio- sowie die neue Value Stream-Ebene.

 

Foundation-Ebene

SAFe basiert auf einer grundlegenden, elementaren Ebene mit Grundwerten, Richtlinien für die treibenden Kräfte hinter Lean-Agile, das Lean-Agile Mindset, Prinzipien und Mustern für die Implementierung in SAFe. Die grundlegenden Prinzipien und Werte müssen von allen Beteiligten verstanden, vorgelebt und eingehalten werden, damit die gewünschten Resultate einsetzen. Zusammen mit Gruppen für gemeinsame Praktiken sind diese nun Teil der neuen Foundations-Ebene.

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Portfolio-Ebene

Die verbesserte Portfolio-Ebene bringt verbesserte Richtlinien für Enterprise-to-Portfolio-Strategien und der Kommunikation zwischen einzelnen Geschäftsbereichen und der Organisation und Budgetierung von Value Streams. Weiter gibt die Ebene Vorgaben für das Management des Flows großer Initiativen und für die Führung des Unternehmens sowie die Koordination multipler Werteströme.

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Änderungen an der Portfolio-Ebene:

  • Neues Enterprise-Icon und Richtlinien, wie mehrere Geschäftsbereiche in großen Unternehmen unterstützt werden können
  • Ein Modell für Richtlinien basierend auf Strategischen Themes für Unternehmens- und Geschäftsbereiche
  • Mehr Koordinierung der Wertschöpfung durch den verbesserten Fokus einzelner Geschäftsbereichen auf Werteströme
  • Verbesserte Budgetierung von Lean-Agile; Finanzierung zielt jetzt auf Werteströme anstatt ARTs ab, inklusive der Thematisierung von CapEx und OpEx.
  • Ein Kanban-System für das Portfolio-Level für Business Epics und Enabler Epics (ehemals Architektur-Epics)
  • Verbesserte Richtlinien für die Koordination von Werteströmen innerhalb eines Geschäftsbereiches
  • Die Portfolio Vision wird von der neuen Spanning Palette abgedeckt. Diese stellt Tätigkeiten, Rollen und Artefakte, die zwischen Ebenen gleich bleiben und somit auf jeder Ebene angewandt werden können.
  • Namensänderung: Architektur-Epics heißen nun Enabler Epics und decken alle SAFe-Ebenen ab.

Value Stream-Ebene

Für diejenigen, die an der Erschaffung der größten Hard- und Softwaresysteme der Welt beteiligt sind, gibt es nun die Value Stream-Ebene. Die Value Stream-Ebene beinhaltet Solution Intent, Solution-Management, Entwicklung und Architektur, agile Kunden- und Lieferantenbeziehungen, sowie die Koordination des Wertestroms.

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Neuerungen durch die Value Stream-Ebene:

  • Richtlinien mit einem wirtschaftlichen Framework und Rollen für die Wertschöpfung
  • Lösungs- und Kundenfokus, inklusive Solution Context
  • Management von fixen und variablen Solutions-Intents mithilfe von Model-Based Systems Engineering , Set-Based Design sowie agiler Architektur.
  • Neuer Capability-Backlog, Epics werden in Capabilities unterteilt, und diese werden in Features zerlegt, die wieder in Stories zerlegt werden.
  • Verwaltung des Flows von Capabilities mit Value Stream Kanban
  • Richtlinien für die Arbeit mit Zulieferern
  • Eine Spanning Palette für Rollen und Artefakte, die über mehrere Ebenen hinweg gleich bleiben, um die Flexibilität des Frameworks zu erhöhen
  • Kadenzen innerhalb eines Wertestroms und Synchronisation über Release Trains hinweg (Pre/Post PI-Planning, Demo der Lösung, Inspektion und Adaption)
  • Neue Rollen: Kunde, Lösungsarchitektur/Entwicklung, Lösungsmanagement, Wertestrom-Entwickler

Program-Ebene

Die verbesserte Program-Ebene beschreibt agile Release-Trains, Teams aus agilen Teams, welche Subsysteme und Lösungsbausteine herstellen. ARTs richten Teams an einer gemeinsamen Zielsetzung aus, geben Richtlinien für die Architektur und User Experience vor und geben eine objektive Bewertung für den Fortschritt und Stand einer Entwicklung. Ein exemplarischer ART aus dem Big Picture:

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Änderungen an der Program-Ebene:

  • Eine Spanning Palette für Rollen und Artefakte, die über mehrere Ebenen hinweg gleich bleiben, um die Flexibilität des Frameworks zu erhöhen (siehe Portfolio- und Program-Ebene)
  • Kunden und Lösung wurden im 3-Level-SAFe dem Wertestrom hinzugefügt
  • Der Fluss der Arbeit wird durch das Kanban-System der Program-Ebene verwaltet
  • Die Rolle des Systemarchitekten beinhaltet nun auch Systementwicklung
  • Neue Meilensteine geben eine objektive Methode vor, wie Planung, Verwaltung und Fortschrittsmessung durchgeführt werden können
  • Neu ist die Möglichkeit, die Program-Ebene mit diversen Wertestrom-Konstrukten anzupassen, z. B. können innerhalb des Economic Frameworks Zulieferer und andere Wertestrom-Elemente zum Programm hinzugefügt werden
  • Namensänderung: Release on Demand heißt nun Release Any Time, Release Planning heißt nun PI Planning, die PI Demo heißt PI System Demo und Architektur-Epics heißen nun Enabler Epics.

Team-Ebene

SAFe-Teams sind selbstorganisierte, selbstverwaltete und multifunktionale Einheiten. SAFe-Teams wenden Scrum, XP, Kanban oder einen hybriden Ansatz ihrer Wahl an. Sie liefern wertvolle, getestete und funktionierende Software in 14-tägigen Zeitfenstern.

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Änderungen auf der Team-Ebene:

  • Teams können entweder Scrum oder Kanban einsetzen
  • Eingebaute Methoden zur Qualitätssicherung sind für jede Vorgehensweise einsetzbar
  • Agile Teams können neben Software-Teams (SW), auch Firmware- (FW) und Hardware-Teams (HW) oder weitere Teams beinhalten
  • Der Scrum Master und Product Owner nehmen an Scrums of Scrums, PO Syncs oder kombinierten ART Syncs teil
  • Die Agile Architektur wurde in die Value Stream-Ebene verschoben
  • Namensänderung: Entwickler/Tester heißen nun Agile Teams, Architektur-Stories sind nun Enabler-Stories, Code Qualität heißt nun Eingebaute Qualität und Sprints werden nun als Iterationen bezeichnet.

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Braintime Leistungen zum Scaled Agile Framework

Wir bieten Ihnen umfassende Leistungen zum Scaled Agile Framework:
    • Schulung – Wir vermitteln das Knowhow für Scrum, XP, Kanban und SAFe mit Seminaren und Coaching.
    • Beratung – Von der Einführung bis zum regelmäßigen Review der Fortschritte – wir beraten Sie umfassend.
    • Werkzeugunterstützung – Wir zeigen Ihnen, wie Sie SAFe auf Atlassian JIRA abbilden können.