In den vergangenen Wochen haben wir Ihnen verschiedene Apps für das Projekt-Templating und die allgemeine Projektanlage vorgestellt. Als nächstes würde eigentlich die App Clone Projects kommen, doch eine kurze Suche im Atlassian Marketplace verrät, dass dieses Plugin nicht mehr existiert. Ob das gerechtfertigt ist, weil die App vielleicht sogar überflüssig ist, erfahren Sie im heutigen Blogbeitrag.

Will man ein existierendes Projekt genau mit der gleichen Konfiguration nochmal haben, kann man dies mit normalen Jira-Bordmitteln erreichen. Dazu auf Create Project und im erscheinenden Wizard auf Create With Shared Configuration klicken. Anschließend wird das Projekt ausgewählt, dessen Konfiguration übernommen werden soll. Anstatt alle Schemas neu zu erstellen, werden dadurch die existierenden Workflows, Issue Typen, Screens und sonstige Konfigurationen übernommen. Die Vorgänge aus dem Quellprojekt werden dabei nicht übertragen. Diese muss man dann manuell erstellen. Die App Clone Projects konnte noch genau das – ein Projekt mitsamt der Issues kopieren. Dabei konnte man die Vorgänge noch parametrisieren und mit variablen Inhalten befüllen. Seit die App nicht mehr angeboten wird, scheint eine große Unsicherheit zu herrschen, wie man nun ein Projekt mitsamt Inhalt klonen kann.

Eine Kombination aus Standard- und App-Funktionalität

Im Grunde besteht ein Projekt nur aus einer Menge von Konfigurationsschemas und dazugehörigen Issues. Um also ein Projekt zu klonen, muss man beides haben. Die Schemas kann man problemlos von einem anderen Projekt übernehmen. Das Zauberwort heißt hier „Create With Shared Configuration“ und findet sich im Projekterstellungsdialog. Dabei werden alle relevanten Konfigurationen übernommen.

Der Create-Project Wizard erlaubt die Übernahme von Konfigurationen eines bestehenden Projekts

Der Create-Project Wizard erlaubt die Übernahme von Konfigurationen eines bestehenden Projekts

Jedoch ist das nur die halbe Miete. Um nun die Issues in das Projekt rein zu bekommen, können Sie die heute vorgestellte App Deep Clone for Jira verwenden. Sie ermöglicht das Klonen von großen Mengen (bis zu 5000) an Issues in andere Projekte. Wie im Screenshot zu sehen, können neben dem Zielprojekt und dem Ziel-Issue-Typ noch weitere Optionen festgelegt werden. So kann man definieren, welche zugehörigen Elemente mit geklont werden sollen. So können etwa optional Anhänge und Kommentare mitgenommen werden. Das Gleiche gilt auch für eventuelle Issue Links. Der Link zum ursprünglichen Klon-Issue ist dabei nicht berücksichtigt. Des Weiteren können auch Stimmabgaben (Votes), Beobachter oder gar der Work Log (Zeiteintrag) übertragen werden.

Es kann genau definiert werden, welche Metadaten der Vorgänge mitgenommen werden

Es kann genau definiert werden, welche Metadaten der Vorgänge mitgenommen werden

Um die geklonten Issues später zu erkennen, kann ein beliebiges Prefix an die Zusammenfassung des Vorgangs gehängt werden. Bitte beachten Sie, dass die verwendeten Component/s nur dann mit geklont werden, wenn diese im Zielprojekt schon vorhanden sind. Gleiches gilt für die Custom Fields – Deep Clone erstellt keine neuen Komponenten in Projekten, sondern nutzt nur die Bestehenden. Ein spezieller „Epic-Clone“ ermöglicht das Klonen eines Epics mitsamt den zugehörigen Vorgängen.

Per Default kann jeder eingeloggte User Deep Clone for Jira nutzen. Die Rechte lassen sich jedoch sowohl global als auch projektspezifisch einschränken. Deep Clone bietet außerdem eine Post Funktion an, mit der ein Issue automatisiert und angepasst geklont werden kann.

Mit diesem einfachen Zweischritt erhält man also einen Projektklon inklusive Konfiguration und enthaltener Issues. Der Umfang der App ist ganz klar auf das Klonen der Vorgänge begrenzt und gräbt sich damit nicht tief in die Installation ein. Positiv zu benennen ist außerdem der günstige Preis der App: bis 100 User kostet sie nur einen Euro pro User; darüber hinaus wird es günstiger. Diese Betrachtung ist jedoch etwas irreführend, da die App hauptsächlich von Admins verwendet wird.

Für regelmäßige Klonungen können auch sogenannte Presets definiert werden – also Klon-Einstellungen, die immer wieder verwendet werden. Das erspart Zeit und viele Fehlerquellen.

Neben dem Klonen ganzer Projekte kann die App auch genutzt werden, um beispielsweise Vorgänge des Support-Teams aus ServiceDesk an die Entwickler in ein Jira Software Projekt zu bewegen. Auch als Eskalations-Tool könnte man Deep Clone einsetzen – sodass der First Level Support die Vorgänge an den Second Level klont. Dafür kann man sehr gut die erwähnten Presets einsetzen.

Wer die App auf dem eigenen Server oder im Data Center verwenden will, geht leider leer aus. Die App gibt es nur für Cloud-Instanzen. Dafür ist die Dokumentation der App sehr verständlich und ausführlich im Umfang. Dazu gibt es unterstützende Erklär-Videos für verschiedene Themen. Integrationen in diverse andere Jira Apps sind ebenfalls vorhanden. So können etwa auch Vorgänge mitsamt aller ProForma Formulare, Tempo Timesheet Worklogs oder Smart Checklist Checklisten geklont werden.

Einige bekannte Probleme mit der App sind, dass Kommentare nicht geklont werden und dass bei Erwähnungen (z.B. in einer Beschreibung) erneut E-Mails versendet werden. Außerdem können bestimmte Elemente aus anderen Apps wie Zephyr, XRay oder Draw.io nicht geklont werden. Wer mit diesen Einschränkungen leben kann, der hat mit Deep Clone eine günstige Möglichkeit, ganze Projekte oder bestimmte Vorgänge bequem zu klonen.