Der halbherzige Einsatz von Kanban bringt sicherlich keine nachhaltige qualitative Veränderung mit sich.

Eigentlich erfordert Kanban keine Voraussetzungen für die Einführung, und das ist gut so – ist es doch eine Change Management Methode. Im Folgenden wird sich jedoch zeigen, dass man trotzdem die Frage, wann ein Kanban-System sinnvoll ist, beantworten muss.

Muda, oder: Das Projekt muss zum Prozess passen

Eine große Zahl von Vorhaben wird von kleinen Teams mit sehr wenigen Beteiligten umgesetzt. Nur im Idealfall sitzen alle Beteiligten im selben Büro und können sich Voll-Zeit einem Thema widmen. Eine Methode wie Scrum wäre in diesem Fall überdimensioniert – auch wären nicht alle Scrum-Voraussetzungen erfüllt.

Kanban baut auf die drei Säulen des Toyota Production Systems auf, die auch das Lean Management kennzeichnen: Muda, Mura und Muri. Muda ist japanisch für „Verschwendung“ und lässt sich definieren als:

"… any human activity that absorbs resources but creates no value"
– Wallace J. Hopp

Ziel ist die Elimination von Verschwendung mit dem Credo: Jeden Tag ein bis zwei kleine Verbesserungen. Können Ihre Projekte das leisten?

Voraussetzung 1: Teile und herrsche!

Eine grundlegende Voraussetzung für den Einsatz von Kanban besteht darin, dass die Arbeit in kleine und wert schöpfende Schritte zerlegt werden kann. Diese Arbeitspakete sind unabhängig planbar und durchführbar. Sie müssen in der Lage sein, diese Arbeitsschritte zu priorisieren und nach Geschäftswert zu ordnen.

Diese Voraussetzung hat Kanban mit ohnehin mit vielen Formen von iterativer Entwicklung gemeinsam.

Voraussetzung 2: Die passenden Werte

Eine spezifische Voraussetzung für Lean bzw Kanban lautet: Jede Idee muss von der Entstehung  bis zur Auslieferung geliebt werden.

Damit Kanban sein volles Potential auch ausspielen kann, bedarf es eines Umfeldes, welches es ermöglicht, den Weg von der Anforderung bis zur Auslieferung auch konsequent zu gehen. Notwendige Voraussetzungen für die Einführung von Kanban sind Überzeugungen wie die Einführung einer hohen Lieferfrequenz, bspw. bis hin zu Continuous Delivery, und ein entsprechender Planungsdruck sowie eine notwendige Planungstreue. Das klingt unspektakulär – man liest diese Voraussetzungen allenthalben.

Für wen eignet sich Kanban nun?

Setzt man bereits agile Methoden wie Scrum ein, kann Kanban helfen, das Vorgehen weiter zu optimieren. Noch bessere Durchlaufzeiten zu erzielen und noch fokussierteres Arbeiten zu realisieren wird so in einen Ablauf der kontinuierlichen Verbesserung gebettet.

Setzt man bisher keine agilen Methoden ein, kann Kanban eine attraktive Möglichkeit sein, seine agile Unschuld zu verlieren. Kanban setzt wenig formales Vorgehen voraus und so lässt sich die Organisation sanft und schrittweise an die agile Denkweise heranführen. Trotzdem sollte Kanban nicht nur als simple Methode, sondern vielmehr als Bestandteil einer Unternehmensethik und eines Willens zur ständigen Verbesserung verstanden werden!

Wenn Projekte ihre Wartungsphase erreicht haben und das Produkt nur noch bei Bedarf weiterentwickelt wird, ist es meist unmöglich, einen kontinuierlichen Fluss an Aufgaben zu erzeugen. Mitarbeiter sind nur noch nach Bedarf und in Teilzeit an Projekten beteiligt. Auch hier ist Kanban ein möglicher Kandidat. Insbesondere die verschiedenen Service-Klassen in Kanban passen zum Alltag von Systemadministratoren und Wartungsteams.

Und weiter…? Was ist Kanban eigentlich?

Sie bringen diese Voraussetzungen mit und möchten mehr über Kanban erfahren? Lesen Sie doch unsere kompakte Kurzfassung der Inhalte zu Kanban:

Kanban kompakt