Agile Methoden wie Scrum sind meist auf den auf den Einsatz in einzelnen kleinen Teams hin konzipiert. Gibt es aber regelmäßig Vorhaben, die auch mit 2-3 solcher Teams nicht abzudecken sind, und womöglich mehrere dieser Vorhaben, die zentral gesteuert werden müssen, so kommt nicht selten das traditionelle Projektmanagement aus der Zeit der Erfindung der Atombombe und der ersten Mondlandung zum Einsatz, sprich: Ansätze, die man vor über fünfzig Jahren für einen völlig anderen Zweck erfunden hat. Viele der agilen Vorteile wie die Orientierung an Werten, häufiges Kundenfeedback, minimale Time-to-Market, schnelle Reaktion auf Änderungen bleiben dabei auf der Strecke. Die Zeit „from concept to cash“ wird wieder auf die Dauer des Apollo oder des Manhattan-Projekts verlängert.

Das Scaled Agile Framework® kombiniert Ansätze aus den agilen Methoden Scrum, Kanban und eXtreme Programming mit Lean Thinking sowie den von Donald G. Reinertsen formulierten Prinzipien zum Lean Product Development und ermöglichst es so, Agilität im Enterprise Umfeld und großen Maßstab anzuwenden.

"As Scrum is to the Agile team, SAFe is to the Agile enterprise."
– Dean Leffingwell

 

Das SAFe House of Lean

SAFe® bietet ein an seine Bedürfnisse angepasstes „House of Lean“, auf Basis der Vorarbeiten von Toyota und Craig Larman. Diese wenigen Grundlagen haben enorme Auswirkungen auf die Kraft und Kultur eines Unternehmens.


Das Dach / Ziel

Wert als höchstes Unternehmensziel

Nachhaltig kurze Durchläufe, höchste Kundenzufriedenheit,
beste Qualität und bester Mehrwert für Menschen und Gesellschaft

 

 

 

 

Säule 1:

Respect for People & Culture

Generative Kultur

Menschen schaffen Werte, behandle sie mit Respekt.

Baue auf Vertrauen basierende, lange währende Beziehungen.

Mein Kunde ist derjenige, der meine Arbeit (Produkte) konsumiert

Lege die Basis langfristiger Partnerschaften auf Vertrauen

Um die Kultur zu ändern muss sich die Organisation ändern

Säule 2:

Flow

Optimiere mit dem Ziel der nachhaltigen Wert-Erzeugung

Eingebaute Methoden zur Qualitätssicherung

Verstehe die Variabilität, nutze und verwalte diese

Denken in Produkten anstatt in Projekten

Säule 3:

Innovation

Innovation braucht innovative Menschen

Schaffe Raum und Zeit für Kreativität.

Ideen werden nicht „am Schreibtisch“ sondern bei der Arbeit geboren.

Nutze ein auf Hypothesen basierendes Prozessmodell als Treiber für Innovationen.

Lenke den Prozess erbarmungslos und frei von Schuldgefühlen

Kontinuierlicher Innovationsfluss

Säule 4:

Relentless improvement

Fühle eine ständige Krise als Triebfeder.

Beim optimieren, das Ganze im Blick behalten

Setze konstante Verbesserung als strategisches Unternehmensziel.

Führe Veränderungen auf Fakten gestützt durch

Nutze Reflektion an Meilensteinen.

Das Fundament

Moderne Führung

Kalkuliere in Wartekosten. Unterschreibe das Agile Manifest mit Blut.

Leader entwickeln Menschen, diese die Technologie. Besitze Dein System.

Siedle Kontrolle so dezentral wie möglich an. Ehre intrinsische Motivation.

Implementiere Flow. Manage nicht, coache High-Performance Teams.

Lean-Agile Leader

sehen Lean als Grundlage für Entscheidungen an

leben die Lean-Agile-Mentalität in ihren täglichen Aktivitäten vor und vermitteln sie an andere

 

 

SAFe Big Picture: Die Konfigurationen von SAFe

SAFe wurde für den Einsatz unter ganz unterschiedlich komplexe Bedingungen konzipiert. „Out of the Box“ gibt es 4 verschiedene, einfach auswählbare Konfigurationen mit jeweils dazu sinnvollen Rollen, Artefakten und Aktivitäten:

Essential SAFe: Der Einstiegspunkt für Organisationen, die die Vorteile von SAFe so schnell wie möglich umsetzen möchten

Portfolio SAFe: Hilft bei der Umsetzung und Koordination von Unternehmensstrategien in ein oder mehreren Value Streams, unter Berücksichtigung einer agilen Finanzierung bzw. Investitionen.

Large Solution SAFe: Für diejenigen Organisationen, die wirklich große Systeme bauen und mehrere Agile Release Trains und Zulieferer zur Umsetzung benötigen.

Full SAFe: Ist die umfassendste Konfiguration, die alle sieben Kernkompetenzen beinhaltet, um Business Agility in großen Organisationen mit komplexen Lösungen zu ermöglichen.

Essential SAFe

Agile Teams sind in SAFe funktionsübergreifende Gruppen von 5-11 Personen, die ein Inkrement in einer kurzen Zeit (Iterationen) definieren, entwickeln, testen und liefern. SAFe unterscheidet zwischen Business und Technology Teams und stellt für beide Gruppen entsprechende Anleitungen bereit.

SAFe fasst Teams in den sogenannten Agile Release Trains (ART) zusammen. Fünf bis zehn Teams (ca. 50-125 Mitglieder) arbeiten in einem Train zusammen und bearbeiten die Herausforderungen eines sogenannten Programms (nicht eines „Projekts“ wohlgemerkt, das wäre ja etwas einmaliges, hier geht es um Flow).  Anforderungen werden vom Produkt-Manager als Features auf Programm-Ebene verwaltet und von den Product-Ownern auf Stories für die jeweiligen Teams heruntergebrochen. Bspw. alle fünf Iterationen (ca. 10 Wochen) wird ein Program Increment (PI) aus den einzelnen Inkrementen der Teams zusammengefasst und können, aber müssen nicht vom ART ausgeliefert werden. Features müssen in ein PI passen. Die Aufgabe der verschiedenen Rollen innerhalb von Essential-SAFe ist es eine kontinuierlich Planung/Exploration, Integration und Auslieferung der einzelnen Teile zu organisieren.

Program Increments sind die regelmäßige Kadenz des ART und sind vom eigentlichen Release zum Kunden getrennt, welcher auf anderer Terminbasis stattfinden kann.

 

Large Solution SAFe

Größere und komplexere Hardware- sowie Softwareprodukte bedürfen den Einsatz mehrerer Agile Release Trains die gemeinsam über Solution Trains gesteuert werden. Zur Kontrolle und Koordination des Wertestroms beinhaltet Large Solution noch den Solution Intent, einen Solution Backlog, die Entwicklung und Architektur sowie agile Kunden- und Lieferantenbeziehungen.

Portfolio SAFe

Im Portfolio SAFe werden die dem Portfolio zugehörigen Programme definiert. Programme sind aus dieser Sicht die Träger der Wertschöpfung des Portfolios und werden auf der Basis von Value Stream Mapping entdeckt und gegründet. Ein sehr großes Unternehmen hat typischerweise mehrere Portfolios mit dedizierten Programmen und deren jeweiligen Teams. Aufgabe des Portfolios ist es, die Programme aus Überlegungen der Unternehmensstrategie und Investitionsabsichten mit Budget und Zielvorgaben (Epics) zu versorgen. Ein typisches Investment (Theme) hat eine Dauer von sechs bis zwölf Monaten, hier liegt jedoch im Gegensatz zu den darunter liegenden Leveln keine starre Kadenz vor.

Es wird zwischen Business Epics (kundenorientiert) und Enabler Epics (technische Lösungen) unterschieden. Epics werden in die Value-Stream-Ebene heruntergereicht und dort in Capabilities und anschließend in Features aufgeteilt.

Business und Enabler Epics werden parallel in einem Kanban-System gepflegt. Anhand von Metriken und Messungen des Flows auf dieser Ebene lässt sich der Prozess der kontinuierlichen Verbesserung (Kaizen) vorantreiben und über Work in Progress Limits eine optimale Kapazitätsnutzung einsteuern.

 

Foundations: Leitsätze

Das Fundament enthält Prinzipien, Werte, Denkweisen, Anleitung zur SAFe-Implementierung und Führungspraktiken, die erforderlich sind, um im skalierten Umfeld erfolgreich Mehrwerte zu schaffen. Die grundlegenden Prinzipien und Werte müssen von allen Beteiligten verstanden, vorgelebt und eingehalten werden, damit die gewünschten Resultate einsetzen. Die Implementierung von SAFe erfordert zudem, dass Organisationen ein erhebliches Maß an Fachwissen über die sieben Kernkompetenzen erlangen. Während jede Kompetenz für sich genommen einen Mehrwert liefern kann, sind die Kompetenzen auch voneinander abhängig. Folglich kann echte Business Agility nur erreicht werden, wenn das Unternehmen ein gewissen Grad an Beherrschung aller Kompetenzen erreicht


Diese Ebene umschließt das gesamte SAFe-Framework mit ihren Richtlinien und Leitsätzen.

SAFe mit Braintime umsetzen?

Dieser kurze Überblick kann natürlich eine gründliche Vorstellung des Frameworks nicht ersetzen.

Vielleicht sind Sie aber doch schon so neugierig geworden, dass Folgefragen entstehen, etwa

  • Wie findet man heraus, ob SAFe für meine Organisation / mein Projektvorhaben geeignet ist?
  • Wie führt man SAFe am besten in der Praxis ein?
  • Wie bilde ich mich in Sachen SAFe weiter, um die Sache selbst voranzutreiben?

Wenn Sie möchten, beantworten wir diese und viele andere Fragen mit Ihnen gemeinsam.